Herkunft

In der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung hatte prenzlkomm eine kurze Vorgeschichte als sozialpsychiatrischer Hilfsverein einer Ostberliner psychiatrischen Klink. In diesem Verein artikulierten sich Wünsche und Vorstellungen von Psychiatriebetroffenen, deren Angehörigen und den in psychiatrischen Berufen tätigen Fachleuten für die neue Zeit.

Im Jahr 1991 fand sich das Bundesgesundheitsministerium bereit, einen für die neuen Bundesländer modellhaften sozialpsychiatrischen Know how - Transfer von West nach Ost mit einer Startfinanzierung zu unterstützen. Im Hinblick auf diese wertvolle Chance setzte sich im Verein die Idee durch, gründlicher zu arbeiten, als verlangt. Aus den Wünschen der bis dahin nicht gesund gewordenen Patienten, deren Angehörigen und den Ansprüchen der sich in die Aufbauarbeit stürzenden Professionellen wurde eine grundlegenden Idee formuliert, die bis heute den Motor unserer Entwicklung darstellt.

 

Grundidee

Schwere psychische Krankheiten werden heutzutage in der Regel medikamentös behandelt. Es ist üblich, diese Therapie durch ergo-, sozio- oder psychotherapeutische Behandlungen zu ergänzen und die Patienten dabei in schützenden, anregenden oder fördernden ambulanten Einrichtungen zu betreuen.

Leider werden psychisch kranke Menschen auch von einer derartigen Behandlung viel zu oft nicht gesund. Um diese Menschen geht es uns. Wie kann man die psychiatrische Behandlung auch dann grundlegend verbessern, wenn man keine Möglichkeit hat, neue und bessere Psychopharmaka zu entwickeln? Man kann z.B. schauen, ob die Erlebnis-, Kommunikations- und Interaktionsprozesse in ergo-, sozio- oder psychotherapeutischen Anwendungen, und in verschiedenen schützenden, anregenden oder fördernden Betreuungseinrichtungen für die Heilbehandlung mehr hergeben können, als nur die medikamentöse Therapie angenehm zu begleiten.

Wie muß eine ambulante psychiatrische Institution beschaffen sein und betrieben werden, in der die geschehenden psychosozialen Prozesse professionell derart gestaltet werden, daß sie die heilende Wirkung von Psychopharmaka ergänzen, ersetzen oder gar übertreffen?

Seit 1991 werden alle Unternehmensentscheidungen auf die Lösung dieser Aufgabe bezogen. Das vorläufige praktische Ergebnis unserer Arbeit ist der Psychiatrische Verbund prenzlkomm mit all seinen Mitarbeitern, Projekten und Institutionen. Dieser Verbund enthält das prenzlkomm – Institut für Psychiatrie, welches den organisatorischen Rahmen für die notwendige theoretische und praktische Entwicklungsarbeit bietet.

Der Psychiatrische Verbund prenzlkomm

Der Psychiatrische Verbund prenzkomm ist eine einzigartige ambulante psychiatrische Institution mit einer unver­wechselbaren Art der Behandlung und Betreuung psy­chisch kranker Menschen. Einrichtungen und Arbeitsweisen dienen dem Zweck, auch bei schwerer oder schon lang dauernder Krankheit, in schwierigen, gar aussichtslos scheinenden Lebenssituationen ganz individuelle Lösungen zu finden, die auf den Weg einer gesunden persönlichen Entwicklung führen können.

Wir verfügen inzwischen über ein vielsei­tiges Netzwerk unterschiedlichster Einrichtungen in Berlin-Pankow und in Brandenburg Märkisch-Oderland.
Sie finden bei uns Angebote in den Bereichen Kontakt und Freizeit, Beschäftigung und Kultur, Woh­nen und Arbeit, Bildung und Qualifizierung, Krankheit und Gesundheit. Sie können sich an uns wenden, wenn Sie einfach nur irgendwo dabei sein möchten, wenn Sie den Wunsch verspüren, sich mit etwas Unterstützung den Alltag zu verbessern, gerade dann wenn es Ihnen insgesamt nicht besonders gut geht. Auf Wunsch gibt es Rat und Unterstützung bei schwierigen und auch einfachen konkreten praktischen Anliegen. Wir sind aber auch ihr Partner, wenn es darum gehen sollte, Stück für Stück das Leben wieder in Ordnung zu bringen. Auch der Wunsch, eines Tages wieder gesund zu sein, ist uns keineswegs fremd. Im Unterschied zu vielen sozial­psychiatrischen Projekten sind wir nicht nur daran interessiert, psychisch kran­ken Menschen über unsere Angebote eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben als chronisch Kranke oder seelisch Behinderte zu ermöglichen. Uns geht es darum, alles dafür zu tun, dass auch schwer kranke Menschen die Chance bekommen, sich eines Tages wieder in die Richtung auf ein gesundes Leben hin zu entwickeln.

Während sich das therapeuti­sche Wirken in der Psychiatrie sehr häufig auf die medika­mentöse Behandlung konzen­triert, dienen uns die psy­chosozialen Erlebnis-, Kommunikations- ­und Interaktionsprozesse, in denen Pa­tienten und Betreuer handeln, als das hauptsächliche Medium der therapeuti­schen Arbeit.
Die Grundlage dafür bilden professionelle Methoden der Kontakt­gestaltung, eine präzise psychosoziale Diagnostik und Interventionsplanung und die Umsetzung dieser Interventionen in Teams aus Betreuern, Sozio-, Psycho- und Ergotherapeuten. Unabhängig von den selbstgewählten Aufenthalts-, Betreuungs- oder Beschäftigungsorten in unserem Verbund werden all diese Prozesse unter fachärztlicher Leitung reflektiert, durchdacht und entwicklungswirksam gestaltet. Das bedeutet nicht, dass je­der Patient, der nur in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken, sich in Sozialamts- ­oder Wohnungsangelegenheiten beraten lassen oder andere Leute treffen möchte, in ein medizinisches Behandlungssystem gepresst wird. Es bedeutet viel­mehr, daß jeder bei uns genau mit dem Anliegen ernst genommen wird, welches ihn zur Zeit bewegt. Bei der Lösung genau dieser Pro­bleme schauen wir zusätzlich, ob und wie wir den Patienten in einer Art noch wirksa­mer unterstützen können, die ihm dann auch gut gefällt. Bereits begonnene medikamentöse Behandlungen bleiben weiterhin in der Verantwortung von Patient und niedergelassenem Nervenarzt.
 

Institut für Psychiatrie

Das prenzlkomm – Institut für Psychiatrie bietet den organisatorischen Rahmen für die theoretisch-praktische Entwicklungsarbeit zur Umsetzung unserer Grundidee. Ausgehend von den technologischen Erkenntnissen des NLP und den ressourcen- und lösungsorientierten Grundlagen der systemischen Therapie entwerfen und erarbeiten wir Methoden für die heilsame Gestaltung psychosozialer Prozesse und der Kontextmerkmale unserer Einrichtungen. Was sollten unsere Mitarbeiter und Patienten optimaler Weise in was für Einrichtungen tun und was nicht, damit Behinderungen einer gesunden persönlichen Entwicklung verschwinden und eine solche Entwicklung in Gang gesetzt und befördert wird? Diese Frage bietet uns die immer wieder faszinierende Orientierung für unsere Entwicklungsarbeit. In Visiten und Fachgesprächen werden unsere Arbeitsergebnisse ständig überprüft, reflektiert und gemeinsam durchdacht. Funktionierende Wege werden ausgebaut, nicht Funktionierendes wird verworfen. Fortlaufende Bildungsprozesse werden intendiert, es wird nach nützlichem Wissen gesucht, Arbeitsgruppen übernehmen die Lösung von Detailaufgaben. Gleichzeitig arbeiten wir an der philosophischen und wissenschaftlichen Grundlegung unserer praktischen Lösungen.

Träger

Der sozialpsychiatrische Hilfsverein Prenzl Komm e.V. entwickelte sich weiter zu einem Förderverein. Er fungiert nun gemeinsam mit sechs für die Existenz des Unternehmens maßgeblichen Einzelpersonen als Gesellschafter der als gemeinnützig konzipierten und anerkannten prenzlkomm gGmbH für soziale Dienstleistungen.

Leitung

Die Tätigkeiten und die weitere Entwicklung des Unternehmens leiten gemeinsam und arbeitsteilig

Frau Andrea Kiesinger als Geschäftsführerin
und
Herr Dr. med. Robby Jacob, FA für Neurologie und Psychiatrie
als Ärztlicher Direktor

Mitarbeiter

Etwa 70 Mitarbeiter, unter ihnen Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Sozialtherapeuten, Ergotherapeuten, Pflegekräfte, Arbeitsanleiter, Handwerker, Verwaltungsangestellte u.a.m. sind in den Projekten des Unternehmens tätig. 45 von ihnen betreuen und behandeln etwa 250 Patienten im Kindes-, Jugendlichen- und Erwachsenenalter.